Wie aus einem Schimpansen ein französischer Staatsbürger wurde

Schülerinnen und Schüler der Klassen 8a und 8bH besuchten am vergangenen Freitag die sehr moderne und  lehrreiche Inszenierung des Stückes „Der Affe von Hartlepool“ im Jungen Theater Mannheim.  Die begleitenden Lehrkräfte sahen in diesem Unterrichtsgang auch so etwas wie ein Experiment bzw. Versuch, wie sich die Jugendlichen mit dieser ihnen doch sehr ungewohnten Umgebung arrangieren und auch einen persönlichen Nutzen aus dieser neuen Erfahrung ziehen werden. 

Da es sich bei der Aufführung um eine „Premiere“ handelte, verständigte man sich auf Anlass gemäßer Kleidung. Und so erschienen die Jugendlichen herausgeputzt in chicken Hosen und weißen Hemden und Blusen.  Im Foyer des Theaters entwickelte sich eine gespannte, aber dennoch ausgelassene und freudige Atmosphäre.  „Was erwartet uns da und wie werden wir das in der klassengemeinschaftlichen  Runde erleben?“ Und dann war es soweit. Die Saaltüren öffneten sich und man betrat einen abgedunkelten Raum, der durch verschiedene Lichteffekte und exponierte Bühnenrequisiten Aufmerksamkeit einforderte.  Und dann auch noch „Menschenaffen“. Schauspieler, die sich mit Schimpansenmasken und Gehhilfen so natürlich über die Bühne bewegten, als seien das tatsächlich „Affen“.  „Echt krass, cool“, entfuhr es einem Schüler, „was geht da ab?“  Und dann nahm das Spiel seinen Lauf. In der 75-minütigen Darbietung wurde die Geschichte eines Schimpansens erzählt, der bei dem Untergang eines französischen Kriegsschiffs im 18.Jahrhundert, als Einziger überlebte.  An die nordenglische Küste gespült, wird dieser als französischer Spion festgesetzt und ihm der Prozess gemacht.  Niemand hatte vorher einen Schimpansen gesehen, aber ignorante und indoktrinierte Menschen peitschten die Menge auf und bezeugten, dass Wesen, die so aussehen würden nichts anderes sein könnten als Franzosen.  Und diese hätten nichts anderes im Sinn als die bestehende Ordnung zu zerstören.  Schließlich folgte man dem Mob. Die Vernunft blieb auf der Strecke und mit dem „vermeintlichen Franzosen“ nahm es das zu erwartende Ende.

Beim Fallen des Vorhanges gab es stehenden Applaus und ein Schüler skandierte sogar „Zugabe“, was von den Schauspielern mit wohlwollenden „Gegenapplaus“ beschieden wurde.

Im Anschluss verweilte man noch einige Minuten im Foyer und versuchte das Gesehene zu reflektieren. Keine einfache Kost, so waren sich alle einig, aber man hatte etwas gesehen, was einen berührte, irgendwie auch betraf. Dies aber in Worte zu fassen, fiel schwer. Daher vereinbarte man mit der zuständigen Theaterpädagogin ein Nachtreffen in der Schule, bei dem das Kernthema, nämlich Fremdsein, Anders sein und Rassismus thematisiert werden soll. 

Experiment gelungen, denn an diesem Abend wurden einige Lernfelder angesprochen und teilweise auch erfolgreich bearbeitet.  Dass die Schülerinnen und Schüler glücklich nach Hause fuhren,  konnte man bei der Zugfahrt erleben. Ein Schüler outete sich als absolut begabter Rapper, der mit seinen Songs Schulleben und Alltagserfahrungen in Raps packte und damit das ganze Zugabteil zum Schwingen und Grooven brachte. Was ein Abend!
(ml)

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