Warum bin ich Ich? – Mit Kindern und Jugendlichen ins Philosophieren kommen

Als das Kind Kind war,
war das die Zeit der folgenden Fragen:
warum bin ich Ich und
warum nicht du? 

(Peter Handke)

Die Philosophie ist Leitdisziplin des Faches Ethik und zugleich eine Wissenschaft, die sich in besonderer Weise mit Kinderfragen auseinandersetzt: Sind die Gefühle in meinen Träumen „echt“? Wen oder was meine ich, wenn ich sage: „Ich“? Ändere ich mich, wenn sich mein Name ändert? Bin ich anders als die anderen?

Diese und andere Fragen brachte die studierte Philosophie- und Ethikdidaktikerin Anne Kirschner, die derzeit ihr Referendariat an der Martin-Buber-Schule absolviert, zu Beginn des Schuljahres mit in die Jahrgangsstufen sechs und neun. Ein aufgeweckter Neuntklässler erkannte schnell: „Diese Fragen klingen so einfach, aber sie sind so schwer zu beantworten!“. Dieses Erleben der Begrenztheit des alltäglichen Sprachgebrauchs nimmt Kirschner zum Ausgangspunkt ihres Unterrichts und baut Brücken mit Bildern und Erzählungen, die den Schüler*innen den Zugang zu philosophischen Denkräumen ermöglichen.

So kamen die Sechstklässler*innen ihrem Ich als philosophischem Problem mithilfe der (etwas anderen) Möwe Emma auf die Spur, während die Neuntklässler*innen sich mit Texten rund um den Philosophen René Descartes vorstellten, wie es wohl wäre, keinen Körper zu haben. Mithilfe einer Wandzeitung (Kl. 6) und individuellen Text-Bild-Collagen (Kl. 9) gelang es den Kindern und Jugendlichen, ihre Sprach- und Vorstellungsräume zu erweitern – ein wesentliches Etappenziel auf dem Weg zur ethischen Urteilsbildung.

Abbildung 1: Mithilfe des Kinderbuches „Emma Pippifilippi“ setzen sich die Sechstklässler*innen gestaltend mit der Frage „Bist du wie die anderen?“ auseinander. (mit Illustrationen von Maria Blazejowsky © 1997 Verlag Jungbrunnen Wien) 

 

Abbildung 2: Dabei ging es vorrangig nicht um die Antworten der Schüler*innen, sondern darum, das Fragen zu lernen … – gar nicht so einfach!

Abbildung 3: „Ja, aber … ?“ Die Schüler*innen diskutierten, stimmten ab, klebten, schrieben und lernten, dass es auf (scheinbar) einfache Fragen meist keine einfachen Antworten gibt. (mit Illustrationen von Aurélien Débat © 2010 Boje Verlag, Köln)

 

Abbildungen 4 u. 5: In der 9. Klasse schrieben die Jugendlichen kleine Ich-Texte zu Bildimpulsen, die sie nach den Herbstferien zu einer großen ICH-Collage zusammensetzen. (mit Illustrationen von Dixit © Verlag Libellud 2008, Poitiers)