Vom Ort der Vernichtung zu den Menschen der Hoffnung

Tagesexkursion der 10bR und 10cR zum KZ Dachau und an die Universität München am 11.12.19

Wenn sich 43 Zehntklässler mitten in der Nacht pünktlich um 04:15 mit ihren Lehrern Cäcilia Korte, Silke Michel und Timo Kolb an der Martin Buber Schule treffen, dann muss es sich um ein ganz besonderes Ereignis handeln.
Beide Klassen hatten sich bereits ab Klasse 9 in den Fächern Deutsch und Geschichte intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus, der Judenverfolgung und auch mit Widerstandsgruppen wie der Weißen Rose beschäftigt. Hierbei kam die Idee auf, gemeinsam eine solche historische Stätte zu besuchen.

Erste Station am frühen Mittwochmorgen war das ehemalige Konzentrationslager Dachau, unweit von München. Im Rahmen zweier Führungen folgte bei eisigen Temperaturen ein Rundgang über das Gelände, auf dem viele der zerstörten Gebäude originalgetreu rekonstruiert wurden. Die Worte „Arbeit macht frei“ am Lagertor sorgten schon zu Beginn für eine bedrückte Atmosphäre, zeigen sie doch auf zynische Weise die menschenverachtende Behandlung der Häftlinge durch die SS. Vieles erfuhren die beiden Schülergruppen über Deutschlands erstes Konzentrationslager, das ab 1933 allen späteren Lagern als „Vorbild“ dienen sollte. Zu Beginn wurden noch hauptsächlich politische Gefangene im KZ Dachau inhaftiert. Durch die Einführung der Nürnberger Gesetze zur Rassendiskriminierung kamen kurz darauf andere Gruppen wie Zeugen Jehovas, Homosexuelle, später auch Sinti und Roma und Kriegsgefangene hinzu. Die Jugendlichen erfuhren, dass von 1933 bis 1945 über 200000 Häftlinge aus 34 Ländern in Dachau gefangen gehalten wurden. Während der Führung zeigte sich schnell, wie gut die Zehntklässler vorbereitet waren. So beeindruckten sie  mit enormem Hintergrundwissen und klugen Fragen nicht nur ihre Lehrkräfte, sondern auch die beiden Guides. Emre aus der 10bR konnte z.B. blitzschnell die Frage beantworten, welches Ereignis im Jahr 1938 dafür sorgte, dass viel mehr Juden inhaftiert wurden: es war die sog. „Reichspogromnacht“.

Besonders betroffen machte die Jugendlichen die Besichtigung des ehemaligen Gefängnisses (der „Bunker“), einer rekonstruierten Häftlingsbaracke sowie die original erhaltene Gaskammer mitsamt Krematorium. Die Aussage „Das ist doch einfach nur krank“ war einige Male von den Schülern zu hören.

Die nächste Station dieses Tages war die LMU München, an der die Geschwister Hans und Sophie Scholl und einige Mitstreiter zur damaligen Zeit studierten. Gemeinsam mit ihrem Professor Hans Huber organisierten sie sich in der gewaltfreien Widerstandsgruppe Die Weiße Rose und verteilten heimlich mehrere Flugblätter, in denen sie zum Ungehorsam gegen das Hitler-Regime aufriefen. Die beiden Geschwister wurden entdeckt, als sie am 18. Februar 1943 im Treppenhaus der Universität Flugblätter auslegten und vier Tage später hingerichtet. Im Lichthof der Universität kann heute eine Gedenkstätte als Erinnerung an diese mutigen jungen Menschen besichtigt werden. „Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben. Dazu brauchen wir einen harten Geist und ein weiches Herz. Wir haben alle Maßstäbe in uns selbst, nur suchen wir sie zu wenig.“ (Sophie Scholl)
Am Brunnen der Universität hielten Stefan, Emre, Artur, Louis und Tim aus der 10bR einen anschaulichen Vortrag über die Weiße Rose, also Unterricht an historischer Stätte.
Der Rest des Nachmittags stand für die beiden Klassen zur freien Verfügung. Während einige Schüler die Gelegenheit nutzten und in dem imposanten Uni-Gebäude eine Informatik-Vorlesung besuchten, schlenderten andere über die vielen Weihnachtsmärkte, besuchten das alternative Tollwood-Festival oder gingen gemütlich essen. Nach einem langen, interessanten und auch aufwühlenden Tag war die Gruppe kurz nach Mitternacht wieder zurück in Heppenheim.

(S. Michel)