Sechstklässler der Martin-Buber-Schule messen sich im Vorlesewettbewerb

Copyright Echo Online 06.12.2017 von Astrid Wagner

 

HEPPENHEIM – Schulkinder zum Lesen zu bringen ist schwieriger denn je. Das zeigen Studien, das bestätigen Aussagen von Lehrern. Seit 1959 gibt es den bundesweiten Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, der nicht zuletzt deswegen ins Leben gerufen wurde, um Kinder zum Lesen zu animieren. An der Heppenheimer Martin-Buber-Schule wurde am Montag der Schulsieger ermittelt.
Ganz oben im Schulhaus, in der gemütlich eingerichteten Mediothek, fand der Showdown statt. Zuvor hatten die einzelnen ersten Klassen ihre jeweils zwei besten Vorleser ermittelt. Und da saßen sie nun, die sechs Kandidaten, aufgereiht vor der Jury: Clement Lukuaka und Fynn Langer aus der 6 a, Paula Fischer und Arman Yagiz aus der 6 b sowie Simge Gül und Luca Leister aus der 6 c.

Sechs Sechstklässler wetteifern in der Martin -Buber-Schule um den Sieg. Mit dabei: Luca Leister. Foto: Sascha Lotz

SEIT 1959

Seit 1959 organisiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels jährlich den Vorlesewettbewerb. Der Wettbewerb, den Erich Kästner mitbegründet hat, steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den von der Kultusministerkonferenz empfohlenen Schülerwettbewerben. Rund 570 000 Kinder aus 7000 Schulen beteiligten sich im vorigen Schuljahr daran. Der Vorlesewettbewerb beginnt mit der Entscheidung der Klassensieger und endet bei der Kür des bundesweit bestens Vorlesers. (rid)

Paula Fischer siegt und darf zum Kreisentscheid

Simge stellte ihren Zuhörern das Buch „Plötzlich Fee“ aus der Feder von Julie Kagawa vor. Die Reihe „Mein Lotta-Leben“ von Alice Pantermüller und Daniela Kohl hatte es Paula angetan. Ihre Vorstellung machte neugierig auf die Geschichten über Lotta und ihre „Blödbrüder“. Arman hatte sich ein Buch ausgesucht, das vor allem bei Jungs beliebt ist – weil es neben dem Text auf Comic-Elemente setzt: „Gregs Tagebuch“.

Groß war die Erleichterung bei allen Schülern, als die erste Vorleserunde vorüber war. Einen Schluck Wasser und ein paar Naschereien gab’s zwischendrin. Doch dann ging es weiter mit dem Fremdtext: Ohne Vorbereitung lasen die Sechs aus dem Buch „Die Schaf Gäääng“ aus der Feder von Christine und Christopher Russell. Und das war gar nicht so einfach. Da stolperte man über Worte, die man im Leben zuvor noch nie gelesen hatte: Auf der Weide der Eppingham-Farm, wo die Gang der Schafe lebt, ist die Aufregung groß. Ein geheimnisvoller „Mähteorit“ kommt aus dem Himmel geflogen und landet ausgerechnet auf Schaf Sallys Kopf. Doch bald war auch diese Hürde geschafft und die Jury zog sich zur Beratung zurück.

Wer hatte am flüssigsten gelesen, wer Pausen gemacht nach Satzzeichen, wer am besten betont? Es war eine Entscheidung, die der Jury nicht leicht fiel. Am Ende gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Wald-Erlenbacherin Paula Fischer schließlich hauchdünn vor Arman Yagiz für sich entschied. Sie erhielt eine Urkunde und durfte das ebenso spannende wie lustige Buch der Schaf Gäääng mit nach Hause nehmen. Und nicht nur das: Sie wird in rund zwei Monaten im Kreisentscheid die Buber-Schule vertreten. Rund zwei Wochen hat sie immer wieder das Vorlesen geübt, erklärte die Sechstklässlerin. Daheim musste Zwillingsschwester Sofia als Zuhörerin herhalten, die das aber gerne gemacht hat und sich ganz offensichtlich als gute Kritikerin und Trainerin erwiesen hat.

Dass diesmal vier Jungen in die Endauswahl gekommen sind, ist eher die Ausnahme, wie die Lehrer feststellten. Meist liege das Vorlesen fest in Mädchenhand. An der Buber-Schule ist man bemüht, die Schüler an das Lesen heranzuführen, etwa durch eine Lesenacht für die Fünftklässler. Ganz oben auf der In-Liste der Mediothek stehen derzeit japanische Mangas.