Den Joghurt nie nach unten packen

Siebtklässler der Martin-Buber-Schule generieren als Einkaufshilfen im Rewe-Markt Spenden für „Tiere in Not“


Die Mädchen und Jungen der Klasse 7cR der Martin-Buber-Schule waren stolz auf sich: sage und schreibe 1305,72 Euro haben sie in der vergangenen Woche mit einer gemeinsamen Aktion für die Organisation „Tiere in Not Odenwald“ gesammelt. Lehrerin Silke Schuchmann kann zurecht stolz auf ihre engagierte Truppe sein.
7cR_TINO-Rewe
HEPPENHEIM.Im März 2014 zerstörte ein Feuer ein Großteil des Tierheims von „Tiere in Not Odenwald“ („TiNO“) in Reichelsheim-Spreng. Tierarztpraxis, Quarantänestation und die Katzenhäuser wurden ein Raub der Flammen. Alles ins allem entstand ein Schaden in Höhe von über 100 000 Euro. Zumindest konnten die meisten Tiere gerettet werden.

Zum Sachschaden kommen die laufenden Kosten für Personal und Versorgung der Tiere von rund 20 000 Euro im Monat – eine Summe, die die Tierschützer nicht allein aufbringen können. Aus diesem Grund ist die Organisation auf Spenden angewiesen, damit nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit nicht das Aus kommt. 2013 hat die Organisation den hessischen Tierschutzpreis bekommen.

Auch die Schüler der Klasse 7cR haben von der Notsituation gehört, in der sich die Einrichtung befindet. Und als die Projektwoche der Schule anstand, entschlossen sie sich gemeinsam zu einer Aktion, um Tierschützern und Tieren zu helfen.

Eine Idee war schnell gefunden: Im Rewe-Markt an der Tiergartenstraße halfen die Teenager die vergangene Woche über den Kunden: Sie boten sich als Einkaufhelfer an, packten Tüten an den Kassen, schleppten die Einkäufe zu den Autos, wuschen Scheiben an der Waschanlage – und sammelten für ihre Dienste Spenden.An der Höhe der gesammelten Summe kann man ablesen, dass die Mehrzahl der Kunden den Jugendlichen und ihrem Anliegen gegenüber aufgeschlossen war. Der 14-jährige Enes – wie seine Kameraden mit dem Schul-Sport-Trikot ausgestattet – erklärte geduldig und gekonnt das Anliegen der Schüler. Man merkte ihm wie den anderen an, dass sie mit großem Engagement bei der Sache waren.

Manche Erwachsene beleidigen die KinderEr erzählte auch, es habe einige blöde Kommentare von Kunden gegeben, bis hin zu Beleidigungen. Doch das hatten die Schüler im Vorfeld mit Lehrerin Schuchmann geübt: „Wie reagiere ich auf Beleidigungen, Provokationen oder gar Aggressionen?“ Und die Lehrerin hatte ihre Schüler natürlich immer im Blick, um notfalls eingreifen zu können.

Nach sieben Minuten an Tag 1 der Aktion, so Schuchmann, hätten die ersten schon aufgeben wollen, weil noch kein Cent in den Spendenbüchsen gelandet war. „Das hat doch keinen Sinn, keiner will was geben“, so die enttäuschten Kommentare der Kinder. Kurze Zeit später war an Aufgeben nicht mehr zu denken, Cent für Cent und Euro für Euro wurde gesammelt. Bereits am ersten Tag kamen 400 Euro zusammen. Eine riesige Motivation für die Heranwachsenden, die gelernt haben, dass belohnt wird, wer am Ball bleibt.

Meltem, Vincenz, André, Mehmet, Fouad, Mehmet-Can, Noah und Adrian berichteten vor den großen Infotafeln, die sie im Vorfeld gestaltet hatten, von ihren Eindrücken. Das lange, ungewohnte Stehen, jeden Tag von 10 bis 14 Uhr, strengte ganz schön an. Und manche Kunden nervten gehörig. Sie seien als Bettler bezeichnet, angeschrien worden – da war es manchmal schwer, ruhig zu bleiben. Es hat aber geklappt. Die meisten Leute seien aber nett gewesen, hätten sich gerne helfen lassen.

Natürlich haben sie vor der Aktion auch gelernt, wichtige Hausfrauen-Tipps zu beherzigen: Niemals Joghurt oder etwa Erdbeeren ganz unten in der Tüte verstauen und dann Konservendosen obendrauf packen etwa. So konnte nichts schiefgehen und die Kunden waren zufrieden.

Das Ergebnis der Spendenaktion der Buber-Schüler übertraf alle Erwartungen bei Weitem. Silke Schuchmann und ihre Klasse freuen sich riesig, dass sie „TiNO“ mit einem so großen Betrag tatkräftig unter die Arme greifen können.