Mädchen und Jungen präsentieren bei Sommerfest der Martin-Buber-Schule ihre Projekte

Copyright Echo Online 23.06.2018

Über aufgemalte Blumen schreiten die Besucher zum Sommerfest der Martin-Buber-Schule. Foto: Sascha Lotz

Von Astrid Wagner

HEPPENHEIM – Es gibt sie noch: Die idealen Männer zum Heiraten. Jedenfalls bald. Und die kommen alle aus der Heppenheimer Martin-Buber-Schule. Bei der Projektwoche haben Jungen, die derzeit die Klassen 5 bis 9 besuchen, beim Kniggekurs für Halbstarke so allerhand Nützliches gelernt und sind nun die wahren Gentlemen.
Wasif machte es beim Sommerfest am Donnerstag nicht nur vor, sondern erklärte auch noch perfekt, wie man eine Krawatte richtig bindet. Die Schüler hatten sich in ihren feinsten Zwirn geworfen – die Hemden waren selbstverständlich allesamt selbst gebügelt. Da wurde jede Hausfrau blass vor Neid, so ordentlich und akurat beherrschen das die Jungs mittlerweile.
Neben Bügeln und Krawatte binden waren die allgemeinen Umgangsformen Thema des Projekts, bei dem die Heranwachsenden lernten, wie man sich für welche Gelegenheit am besten anziehen sollte. All die Basics eben, die man auch für ein Vorstellungsgespräch bestens gebrauchen kann.

Garten erwacht aus Dornröschenschlaf
Weil der Kurs so gut ankommt, wird nun überlegt, ihn als AG oder innerhalb des Wahlpflichtunterrichts anzubieten. Bei aller Freude darüber, dass diese Jungs nun perfekt bügeln können, gab’s für die Mamas einen Dämpfer: „Bei aller Liebe, die Bügelwäsche daheim übernehme ich trotzdem nicht!“, zerstörte ein Teenager alle mütterlichen Hoffnungen.
Am Tag vor dem Beginn der Sommerferien herrschte allerlei Trubel im und um das Schulgebäude. Ins Auge fielen den Besuchern sofort die riesigen gemalten, wunderschönen Blumen auf dem Schulhof-Boden, die ein Gute-Laune-Gefühl verbreiten. Die Mauer hinter der Mensa haben Schüler und Lehrer im Laufe der Woche mit einer ebenso dekorativen Blumenwiese bemalt. Endlich schaut man beim Essen nicht mehr auf eine triste graue Wand.
Richtig schwer geschuftet hat die Gruppe, die den Schulgarten im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Dornröschenschlaf erweckt hat. „Schulgarten in der Buberschule? Wo soll der denn sein?“, fragten sich viele. Auf dem Dach der Sporthalle – verborgen hinter meterhohen Brombeerhecken – befindet sich das großzügige Areal. In den Jahren des Umbaus an der Schule war das Vorhaben „eingeschlafen“. Ab dem kommenden Schuljahr soll es wieder richtig belebt werden.
Die Voraussetzungen wurden unter großem körperlichen Einsatz geschaffen: Brombeerhecken wurden gestutzt, Büsche geschnitten, in Hochbeeten wachsen nun bienenfreundliche Kräuter, die ebenso wie die Blüten der frisch eingesäten Wildblumenwiese möglichst bald Gäste für das aufgehängte Insektenhotel anlocken sollen. Im Arbeitslehreunterricht können dann Nistkästen und weitere Hochbeete entstehen, vielleicht gibt es auch eine Garten AG. Noch nicht wiedergefunden unter dem wuchernden Bewuchs wurde der einst angelegte Barfußpfad.
Viele Schüler der Sprachintensivklassen erhielten während des Festes ihre Sprachdiplome. Ein Zeichen dafür, dass Integration und Spracherwerb klappen kann, wie die Lehrer unterstreichen.
Auf der Bühne im Foyer zeigten viele Talente in den Sparten Musik, Tanz und Akrobatik, was sie können. Auch eine Theateraufführung konnte man bewundern. Das Tischkicker-Turnier fand großen Anklang. Und die rührigen Frauen vom Förderverein in ihren schicken grünen Shirts mit der Aufschrift „Gemeinsam für unsere Kinder“ versorgten die Gäste mit Kaffee und Kuchen.
Im unteren Bereich gab’s eine Ausstellung zu ernsten Themen wie Magersucht, Drogen oder Ritzen. Kreative Schüler hatten Papierlampen verschönert, andere wussten so ziemlich alles über Vulkane und gaben ihr Wissen mithilfe von Pappmacheemodellen von feuerspeienden Bergen an die Besucher weiter. Ein paar Schritte weiter freuten die sich über Leckereien des Kochprojektes. Die Kinder hatten sogar ihre Lieblingsrezepte zu Papier gebracht. So kann man nun daheim alles nachkochen.

 

NAMENSGEBER
Die Heppenheimer Haupt- und Realschule trägt den Namen des jüdischen Religionsphilosopen Martin Buber (1878-1965). Der Gelehrte lebte mit seiner Familie von 1916 bis zu seiner Emigration nach Palästina 1938 in Heppenheim. Seine damalige Wohnstätte, das Martin-Buber-Haus, ist als Kulturdenkmal geschützt und dient dem Internationalen Rat der Christen und Juden (ICCJ) als Sitz. (red)