An der Martin-Buber-Schule geben Profis Tipps für die Bewerbung

Copyright Echo Online 16.03.2018 von Astrid Wagner

Kerstin Lackmann (Mitte) selbst Auszubildende, erläutert den Jugendlichen, was sie für ihre Bewerbung wissen müssen. Foto: Sascha Lotz

HEPPENHEIM – „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, hat Seneca einst geschrieben. An der Martin-Buber-Schule wird zurzeit besonders viel für das Leben gelernt, für die eigene Zukunft: Bei den Assessment-Tagen erfahren die 71 Schüler der neunten Klassen des Realschulzweigs allerhand rund um das Thema Bewerbung.

Drei Wochen lang stehen die Mittagsstunden im Zeichen des Bewerbungstrainings. Aber es sind nicht die Lehrer, die den Kindern graue Theorie zu vermitteln versuchen. Neun Firmen sind es insgesamt, die eng mit der Bildungseinrichtung zusammenarbeiten. Und die schicken in dieser Zeit Mitarbeiter an die Schule, sodass man mit „echten“ Arbeitgebern unter realistischen Bedingungen üben kann.

ASSESSMENT-TAGE

Seit vielen Jahren bereits gibt es die Assessment-Tage an der Heppenheimer Martin-Buber-Schule, wie Beate Späth aus dem Schulleiter-Team berichtete. Hier lernen die Mädchen und Jungen das Einmaleins der Bewerbung kennen: Vom Bewerbungsgespräch bis hin zum Einstellungstest.

Viele kommen hier auf den Geschmack, was das eine oder andere Berufsbild anbelangt, andere lernen, an sich und ihre Stärken zu glauben oder an den Schwächen zu arbeiten. Keiner wird nach dem Schulabschluss unvorbereitet auf den Ausbildungsmarkt entlassen. (rid)

Nicht ganz einfach, vor Publikum zu sprechen

Die Heppenheimer Firma Jäger direkt ist gerade zu Gast. Im neu hergerichteten, stylischen Raum der Strahlemann Talent Company treffen sich die Schüler in Kleingruppen mit Linda Rhein von Jäger direkt und Kerstin Lackmann, die dort eine Ausbildung absolviert. Firmeninhaber Franz-Josef Fischer ist übrigens Vorsitzender der Strahlemann-Stiftung.

Die beiden Frauen stellen das Unternehmen zunächst vor. Für drei Ausbildungsberufe kann man sich – aktuell auch noch für 2018 – bei Jäger direkt bewerben: als Elektroanlagenmonteur, Kaufmann/-frau für Büromanagement oder Fachkraft für Lagerlogistik. Nur alle zwei Jahre wird ein Azubi zum Fachinformatiker gesucht. In den Ausbildungsberufen werden pro Lehrjahr derzeit zwölf Jugendliche ausgebildet – 36 sind es insgesamt in dem 260 Mitarbeiter starken Unternehmen. Im Vorhinein mussten die Schüler sich einen „Wunsch-Beruf“ aussuchen und sich bewerben – auch, wenn der eigentliche Traumberuf nicht dabei war. Es soll schließlich möglichst realistisch geübt werden.

Neben einer schriftlichen Bewerbung freut man sich bei Jäger direkt, die künftigen Azubis während eines Praktikums kennenzulernen. Denn eine schriftliche Bewerbung lesen, mit einem Bewerber reden, das sei etwas ganz anderes, als ihn bei der praktischen Arbeit kennenzulernen. Ist er teamfähig? Wie geht er mit Herausforderungen um? „Brennt“ er für den Job?

Viele Firmen fordern von ihren Bewerbern bei der Vorstellung kleine Präsentationen. Die beiden Mitarbeiterinnen von Jäger direkt geben den Schülern allerlei Ideen für eine Kurz-Präsentation an die Hand. Eine Viertelstunde ist Zeit, sich vorzubereiten. Wichtig: Man sollte zu einem Thema sprechen, das einen interessiert, für das man sich begeistert. Da muss es nicht zwangsläufig um den künftigen Beruf gehen. Die Arbeitgeber wollen vielmehr sehen, wie sich der Bewerber verkaufen kann.

Zwei Minuten vom liebsten Hobby oder vom letzten Urlaub erzählen – das klingt gar nicht so schwer, mögen sich die einen denken. Anderen sieht man die Panik bei dem Gedanken an, vor Publikum reden zu müssen. Johannes, 15 Jahre alt, traut sich als Erster. Und er macht seine Sache gut, lächelt viel, zeigt sich offen und sucht den Blickkontakt zu den Zuhörern. Linda Rhein schafft es, auf charmante und motivierende Art zu kritisieren. Bei jedem der Vortragenden nennt sie zunächst das, was gut war an der Präsentation. Und dann gibt es Tipps, was besser werden könnte, Tipps, die Mut machen.

Der 15-jährige Abi erzählt von seiner Liebe zur Mathematik, Fabian (14) reißt alle mit seiner strukturierten Erzählung lustiger und spannender Urlaubserlebnisse förmlich mit. Selina (15), die Tierpflegerin werden möchte, erzählt von ihrem Traumberuf. Lob und gute Ratschläge gibt es für alle. Mit der Zeit legt sich bei allen die Nervosität und sie spüren: Übung macht den Meister.