Dez 09

Heppenheimer Schüler werkeln mit Holz

 Von Astrid Wagner

HEPPENHEIM – Sägegeräusche, Hammerschläge und Stimmengewirr sind aus dem Keller der Heppenheimer Martin-Buber-Schule zu hören. Dort arbeiten die Fünft- und Sechstklässler mit Feuereifer an Gegenständen aus Holz. Auf Werkbänken stehen Windräder in unterschiedlichen Entstehungsstadien. Einer der Schüler schleift eine Holzplatte zurecht, ein anderer rührt Sägespäne in Holzkleber.

Für den Beobachter ist es ein ziemliches Gewusel: Ein Junge kippt Holzleim von einem großen Eimer in einen Becher, gleich vier Alterskameraden drängen dich um die beiden FSJlerinnen Lea Schmitt, die einmal Sozialpädagogik studieren möchte, und Linda Horstmann, deren Berufswunsch Ergotherapeutin ist, und haben Fragen. Lehrer Matthias Leible ist währenddessen die Gelassenheit in Person, steht Rede und Antwort, erklärt die Maschinen und gibt wertvolle Tipps. Auch auf Hamid Barati, Schüler der 7. Klasse, ist Verlass. Der Afghane ist seit eineinhalb Jahren an der Schule. Leible erinnerte sich an die Anfänge, als Hamid, ohne ein Wort Deutsch zu können, begann. Mittlerweile verstehe er alles, könne sich bereits gut ausdrücken und sei vor allem ein begnadeter Handwerker. In seiner Freizeit hilft er Leible in der Holzwerkstatt. „Ich würde mich freuen, wenn er die Chance bekäme, Schreiner zu werden.“ Er sei nicht nur begabt, sondern auch fleißig, hilfsbereit und höflich. Darüber hinaus habe er ein Auge für Maße und Ästhetik. Darin sieht Leible den Schlüssel des Erfolges bei der Integration: Potenziale zu erkennen und zu fördern – das verlangt allerdings von beiden Seiten Engagement.

Ganz nebenbei Physik und Mathe lernen

Mit dem Windrad haben die 16 Fünft- und Sechstklässler im Herbst begonnen. Die Arbeitsgemeinschaft ist Teil des Ganztagsprogramms der Schule. So ganz nebenbei lernen die Kinder jede Menge Physik und Mathe beim Werken. Begrifflichkeiten wie Drehmoment oder Aerodynamik, die im Physikunterricht eher Angst einflößen, gehen hier locker von den Lippen. Schließlich sollen sich die Flügel der Windmühle am Ende auch drehen. Wichtig ist exaktes Arbeiten – wer nicht genau sägt, bei dem wird das Gebilde windschief und wenig ansehnlich.

Die meisten Schüler mussten zu Beginn der Arbeitsgemeinschaft alles von Beginn an lernen: Wie heißen die verschiedenen Werkzeuge und wie werden sie verwendet? Nun, nach einem Vierteljahr werden sie immer selbstständiger, erklärt Leible. Gelernt haben die Jungen und das Mädchen auch, dass man nie ohne Schutzbrillen oder Ohrschutz an den Geräten arbeiten darf.

Robel und Samy sind bereits richtig weit mit ihrer Windmühle. Robel erklärt, wie die Schleifmaschine funktioniert – und wo man stehen muss, um sich nicht zu gefährden. Nils schleift derweil einen Stab mit der Hand. Rumeysa ist das einzige Mädchen im Kurs. Das stört die Sechstklässlerin aber nicht weiter. Sie ist akzeptiert und auch talentiert. Sie habe eine richtige Lust entwickelt, mit Holz zu arbeiten, hat der Lehrer beobachtet. Jannis ist neu in der AG und stellt eine Schüssel her. Viele Exponate kann man bewundern. Stolz zeigt Fikret ein Schachspiel und ein Fußballfeld, das er gebaut hat. Auch eine Kugelbahn kann man bewundern. Hamid zeigt einen Hocker, an dem er gerade baut.

Im nächsten Moment ist Leible bereits wieder beim nächsten Schüler, erklärt Emirhan, wie man die Bohrmaschine bedient. Hamid versucht, bei der Säge das gebrochene Sägeblatt durch ein neues zu ersetzen, ein anderer Junge erklärt, wieso er die Sägespäne unter den Holzleim rührt. Und an anderer Stelle wird bereits der Antrieb für das Windrad gebaut.

Ruckzuck ist die Zeit vorüber, und ohne dass der Lehrer große Reden schwingen muss, machen sich alle ans Aufräumen. Man verlässt seinen Arbeitsplatz sauber und ordentlich, räumt alle Werkzeuge und Materialien an die dafür vorgesehenen Plätze. Auch Ordnung und Verlässlichkeit werden so ganz ohne erhobenen Zeigefinger beigebracht – und es klappt.

TALENT ENTDECKEN

Mit der Modernisierung der Martin-Buber-Schule kam auch die neue Werkstatt mit einer „exzellenten Ausstattung“, wie Matthias Leible unterstreicht. Jeder Cent, der hier investiert worden sei, sei sehr wertvoll. Hier lernen viele Schüler, ihre Potenziale auszuschöpfen, entdecken ungeahnte Talente. Eine wirklich sinnvolle Investition, freut sich der Pädagoge. (rid)