Aug 22

Petra Röhrig neue Leiterin der Heppenheimer Martin-Buber-Schule

Von Astrid Wagner (Copyright Echo Online 18.08.2017)

HEPPENHEIM – Es war eine Rede, wie man sie gerne hört: Sie charakterisierte die Person, die sie hielt, bot interessante Informationen und ließ erkennen, dass sie von jemandem gehalten wurde, der sich mit dem Status quo nicht zufriedengibt, sondern stets nach weiterer Verbesserung strebt. Gehalten wurde die Ansprache von Petra Röhrig, die am Freitag nun auch offiziell als neue Schulleiterin der Heppenheimer Martin-Buber-Schule (MBS) vorgestellt wurde und ihre Ernennungsurkunde bekam.

Ein Tag für gute Laune: Petra Röhrig ist jetzt offiziell Schulleiterin der Martin-Buber-Schule. Foto: Dagmar Jährling

„Horch, was kommt von draußen rein“, intonierten die drei Lehrerkollegen Matthias Jakob, Ulrich Domes und Peter Schmich zur Begrüßung der zahlreichen Gäste a cappella, bevor Bettina Reinhardt vom Staatlichen Schulamt zum offiziellen Teil der Veranstaltung überging. Im Mai 2014, so blickte die zuständige Dezernentin zurück, habe Petra Röhrig nach dem Wechsel von Schulleiter Markus Proksch ans Schulamt begonnen, die Bildungseinrichtung als stellvertretende Schulleiterin zu führen.

 

 

UNTERSTÜTZUNG FÜR SCHWIERIGE FÄLLE

Die Buberschule wünscht sich einen Sozialarbeiter, der sich um die Kinder und Jugendlichen kümmert, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht auf den Unterricht einlassen können. Jemanden, der sie während der Schulstunden begleitet, sich ihrer annimmt und gegebenenfalls weitere Maßnahmen in die Wege leitet. „Wir brauchen diese Stelle, damit sich die Kollegen auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren und die Lernwilligen unterstützen können“, lautete Petra Röhrigs Appell.

Doch alleine finanzieren kann die Schule eine solche Stelle nicht, man ist auf Hilfe von Kreis und Land angewiesen. Landrat Christian Engelhardt (CDU) sieht das Land in der Pflicht, verwies in seiner Ansprache darauf, dass an einer Grundschule im Kreis demnächst ein ähnliches Pilotprojekt anlaufen soll. (rid) 

Was nun noch fehlt, ist ein Stellvertreter

Sie habe sie stets als „Umbauende“ erlebt, nicht nur, was die Modernisierungsarbeiten in der MBS betreffe, die nach nunmehr neun Jahren bis zum Herbst 2017 endgültig abgeschlossen sein sollen. Auch im übertragenen Sinne sei die Arbeit als stellvertretende Schulleitern von steten Umbaumaßnahmen gekennzeichnet: Hier galt es, Schwangerschaftsvertretungen für Kolleginnen zu organisieren, dort Probleme zu lösen, an anderer Stelle etwas vollkommen neu zu strukturieren und zu organisieren.

Im Dezember 2016 erhielt Röhrig den offiziellen Auftrag, die Schule zu leiten. Aufgrund der zurückliegenden fast zweieinhalb Jahre als stellvertretende Leiterin wurde die sonst einjährige Probezeit verkürzt, sodass sie am 1. April ihr Amt auch offiziell antreten konnte. Reinhardt lobte Röhrigs Engagement in einer Schule mit sehr „heterogener Schülerschaft“. Was nun noch fehlt, ist ein stellvertretender Schulleiter. Der Posten ist ausgeschrieben, die ersten Bewerbungen sind eingegangen. Mit einer Entscheidung sei bis zu den Herbstferien zu rechnen, hieß es aus dem Schulamt.

Die „Neue“ musste sich nach eigenen Worten von vielen Seiten die Frage gefallen lassen: „Warum machst du das? In deinem Alter denken die meisten schon an Pension, und du willst dir noch mal diesen Stress antun?“ Eine Frage, die sich Röhrig kurz auch selbst stellte. Vor 35 Jahren, nach dem Referendariat, trat sie ihre erste Stelle an einem Internat in der Schweiz an, im Berner Oberland. Eine Zeit, die sie geprägt hat. Hier wurde ihr beigebracht, Kopf, Herz und Hand einzusetzen. Bei einer Wanderwoche in Locarno begann sie zu träumen von einer eigenen Schule, die sie so gestalten wollte, dass alle Kinder dort gern hingehen.

Daran erinnerte sie sich. Sie ist davon überzeugt, dass man in leitender Position mehr bewegen, die Schule noch besser machen kann. Unterstützung erhält sie von ihrem Mann Klaus, von Bettina Reinhardt, aus dem Kollegium und von den Angestellten. Der Dank Röhrigs ging auch an das Heppenheimer Schul- und Jugendhilfeprojekt, den Landrat und die Verantwortlichen der Stadt.

Doch Röhrig fand auch kritische Töne: Immer mehr Kinder mit Defiziten in unterschiedlichen Bereichen kämen in die Schule. Die Lehrer fühlen sich mit diesen Problemen oft allein gelassen. Wenn dann auch noch Inklusion lernschwacher und die Integration ausländischer Kinder zusätzlich hinzukommen, dann wird der Berg der zu bewältigenden Arbeiten neben dem eigentlichen Beibringen von Lerninhalten immer größer.

Was tun, wenn beispielsweise ein 16-Jähriger ohne Deutschkenntnisse, dafür aber mit Flucht- oder Kriegstrauma nach zwei Jahren die Intensivklasse verlassen muss, weil dies so vorgeschrieben ist und er den normalen Unterricht besuchen soll? „All diese Kinder können bei uns nicht optimal gefördert werden“, klagte sie und unterstrich damit, dass sie in ihrem neuen Amt etwas bewegen möchte. 22 zusätzliche Stunden wurden der Schule jetzt bewilligt, um Unterricht in Doppelbesetzung zu gewähren. Ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Kollegen aus der Schulleitung, Beate Späth und Jonas Meier, überraschten ihre neue „Chefin“ am Ende der Feier mit einer Schultüte voller nützlicher Dinge: Vom Wutball über Brillenputztücher für den guten Durchblick bis hin zum Gutschein für ein Konzert.