Mai 29

Heppenheimer Schüler auf Korbjagd mit Skyliners

Copyright Echo Online 26.05.2017

Von Astrid Wagner

HEPPENHEIM – Wenn man zu Beginn einer Schulstunde ein Shirt geschenkt bekommt, ist das schon cool. Wenn dann noch ein angehender Basketball-Profi und ein Trainer der Frankfurt Skyliners eine Einführung in ihren Sport bieten, dann steht das Lieblingsfach des Tages fest. So geschehen in der Martin-Buber-Schule.

 Die „School Clinic“ der Frankfurter Erstliga-Basketballer war wieder einmal zu Besuch an der Haupt- und Realschule. Diesmal waren es die Schüler der drei Sprachintensivklassen, die in den Genuss zweier besonderer Schulstunden kamen.
 

 

Schüler der Sprachintensivklassen üben unter Anleitung eines Trainers und eines Spielers der Frankfurter Skyliners den Ballwurf. Foto Karl-Heinz Köppner

SCHOOL CLINIC
„Wer ist krank?“ fragte ein Passant, der das Wort „School Clinic“ im Vorübergehen an der Sporthalle der Martin-Buber-Schule aufschnappte. Zum Glück keiner. School Clinic ist ein Programm der Frankfurter Basketballer, mit dem man in Schulen geht, um dort Kinder und Jugendliche für den Basketball-Sport zu begeistern. (rid)

Projektleiterin Anja Emler von den Skyliners hatte Coach Harald Roth und Spieler Cosmo Grühn mit nach Heppenheim gebracht. Roth ist B-Trainer und gehört seit 14 Jahren zum Trainerstab des Clubs, er trainiert unter anderem die Bundesliga-Frauen. Cosmo ist 19, hat im vergangenen Jahr in der U 18-Nationalmannschaft gespielt, trainiert mit den Profis und gehört dem Zweitliga-Team an. Sein Ziel: Er möchte in der Ersten Liga auf Korbjagd gehen. Derzeit absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Skyliners, ab Herbst möchte er studieren.

25 Kinder und Jugendliche aus neun Ländern warteten gespannt auf den Beginn des Trainings. Sie alle eint, dass sie die deutsche Sprache lernen wollen – und müssen, um später einen Schulabschluss machen zu können.

Einladung zum Heimspiel des Erstliga-Teams

Es sind nicht nur Flüchtlinge in den Sprachintensivklassen: Jeder Schulpflichtige, der die deutsche Sprache noch nicht behrrscht, besucht für zwei Jahre diese Einrichtung. Die Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 17 Jahren kommen aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak, aus Polen, Ungarn, Syrien, Pakistan, Italien und Rumänien. Sportlehrer Matthias Leible, Beate Theisinger, die eine der Klassen leitet und ihre Kollegin Martina Steiner unterstützten die Skyliners. Gemeinsam leiten sie auch sonst den Sportunterricht der Intensivklässler.

Die Lehrer brauchen viel Fingerspitzengefühl. Zum einen gibt es die Sprachbarriere, zum anderen hat man Kinder vor sich, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Manche sind traumatisiert durch das Erlebte, andere haben nie zuvor eine Schule besucht und müssen erst lernen, sich in das deutsche Schulsystem mit all seinen Regeln einzugliedern. Andere wiederum, wie etwa die Jugendlichen aus dem Irak, müssen sich erst einmal daran gewöhnen, dass hier bei Fehlern oder falschem Verhalten nicht körperlich gezüchtigt wird. Wer im Irak zu spät zum Unterricht kam, erzählt einer der Jungs, der musste 30 Minuten auf einem Bein stehen. Andere müssen verinnerlichen, dass sie nicht mehr in einer patriarchalischen Gesellschaft leben, sondern die Klassenkameradinnen dieselben Rechte haben wie die Jungs. Für die Lehrer ist es bei aller Herausforderung aber auch eine Bereicherung, die sie nicht missen mögen. „Ich liebe diese Kinder“, unterstrich Theisinger, wie sehr ihr die Schüler am Herzen liegen.

Beim Basketball-Training machten alle begeistert mit. Mohamed stellte sich besonders gut an. Basketball liegt ihm im Blut, das spürte man. Mit Begeisterung versuchten Ahmed, Lendrid, Abigela und Granit Cosmo Grühn den Ball beim Dribbeln abzujagen. Während der 2,01-Meter-Mann einen Schritt machte, liefen sie drei. Gar nicht so einfach, den Dribbelkünstler vom Ball zu trennen. Doch Lendrid gelang das Kunststück tatsächlich. Ramez spielte mit Köpfchen und erwies sich ebenso wie Ibrahim als guter Dribbler.

Nach einer kurzen Verschnaufpause mussten die Kids Rechenaufgaben lösen – wer am schnellsten die richtige Lösung hatte, durfte Cosmo unter dem Korb herausfordern. Der erste war Lendrid, dem unter dem Jubeln seiner Kameraden ein Korb gelang. Nach klasse Zuspiel von Hamid traf später auch Mohamed. Und die Mädchen standen den Jungs in nichts nach: Najeeh und Fatma bekamen den Ball gegen den angehenden Profi mit Schuhgröße 50 ebenfalls in den Korb.

Viel zu schnell war das Training vorbei, es gab ein Autogramm aufs Skyliners-Shirt, dann mussten die drei weiterziehen – mit einem Versprechen: Die Schüler der drei Intensivklassen dürfen sich in der nächsten Saison ein Heimspiel der Erstligisten anschauen. Da war der Jubel groß.